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¡Me vale verga la muerte! - Ein Gottesdienst der besonderen Art
 Ernesto Cardenal ist katholischer Priester, war Kulturminister seines Landes und seine Lyrik hat ihn weltweit bekannt gemacht. Vor kurzem gastierte er in Wien.

Trotz Kälte (draußen und drinnen) sind über 400 Personen in die Konzilsgedächtniskirche beim Kardinal-König-Haus gekommen, um die Lesung zu hören und ihn persönlich zu erleben.

Der 81jährige wirkt ruhig und gelassen, an seiner Seite sitzt der Schauspieler und Synchronsprecher Dietmar Schönherr, der die deutschen übersetzungen der Texte vorträgt. Schon die ersten Gedichte machen klar: Die Kirche ist lebendig, in Lateinamerika.

Die Stimmung ist schwer zu beschreiben: Vom Andächtigen der Texte bis zum lebendigen Rhythmus-Gefühl der lateinamerikanischen Musik, die von „El Grupo Salg“ beigesteuert wurde, gab es alles. Zuletzt wurde es melancholisch das „Canto Cosmico, inspiriert von der Nachricht vom Tod eines Freundes, Laureano, wurde vorgelesen. Genau dieses Canto Cosmico brachte jedoch die ZuhörerInnen zum Lachen: Die Erinnerung an Laureano, der für die Revolution gelebt hatte und für die Revolution gestorben war, brachte Heiterkeit in die Gesichter dieser über 400 Leute, die allesamt weit davon entfernt waren, ihn tatsächlich gekannt zu haben. Laureanos derbe Unbekümmertheit, die der Text so vortrefflich beschrieb, wirkte erfrischend und förderte unerwartet und versteckt eine zutiefst christliche Botschaft zu Tage: „¡Me vale verga la muerte!“ - Der Tod ist mir scheißegal!

Am Ende, nach langem Applaus und Verbeugungen, fehlte doch noch etwas, nur lässt sich schwer sagen, ob es der revolutionäre Ruf „¡Hasta la victoria siempre!“ war oder doch eher ein liturgischer Schlusssegen.


 


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