Das Studium der Katholischen Theologie ist selbst kein Fach, sondern ein Bündel an Fächern und Disziplinen, die - obwohl methodisch eigenständig - stark aneinander gebunden sind. Folgende Fächer bilden den Kanon eines Studiums der Katholischen Fachtheologie:
- Alttestamentliche & Neutestamentliche Bibelwissenschaft: Die beiden bibelwissenschaftlichen Fächer beschäftigen sich mit der Untersuchung und Auslegung der Bibel. Dies geschieht sowohl exegetisch, etwa durch literaturwissenschaftliche Textanalyse, als auch theologisch durch die Auslegung und die damit verbundene Aktualisierung der Bibeltexte. Grundlegend für diese Fächer ist ein kritischer Umgang mit der Bibel - dabei werden die Texte und ihre überlieferte Auslegung auf einen tieferen oder „richtigeren“ Sinn hinterfragt um dem Anspruch der biblischen Texte gerecht zu werden. Ebenfalls in das Forschungsfeld dieser beiden Fächer gehört die Biblische Archäologie und Zeitgeschichte, in der die sozialen und politischen Umstände der biblischen Zeit untersucht werden.
- Christliche Philosophie: Die Philosophie bildet den Grundstock des theologischen Denkens der Neuzeit. Viele Begriffe, Konstruktionen und Denkweisen der Theologie bauen auf jenen der Philosophie auf - daher ist auch eine gezielte Auseinandersetzung mit den wichtigsten philosophischen Ideen und Strömungen für das Theologiestudium essenziell. Eine spezifisch christliche Philosophie wirft in diesem Fragen philosophische Fragen nach dem Wesen des Menschen, des Göttlichen und des Seins überhaupt auf.
- Fundamentaltheologie & Dogmatik: Während sich die Fundamentaltheologie mit den Fundamenten des christlichen Glaubens bzw. des Glaubens überhaupt beschäftigt, stellt die Dogmatik die zugespitzte Spezifizierung dar. Die Fundamentaltheologie fragt nach den Vor- und Grundbedingungen, wieso Menschen glauben können und danach, wie dieser Glaube in einer modernen Welt vertreten werden kann. Dazu gehört auch die Frage nach einer verantwortungsvollen Rede von Gott, Mensch und Kirche in einer pluralisierten Gesellschaft.
Die Dogmatik wirft diese grundlegenden Fragen erneut auf und versucht, Denkkonzepte für die grundlegenden „Traktate“ der christlichen Theologie zu entwerfen: So kommen etwa unterschiedliche Sichtweisen und Auslegungen des Lebens des Jesus von Nazareth in der Christologie zur Sprache, unterschiedliche Vorstellungen und Aussagen über Gott in der Theologischen Gotteslehre. Die Dogmatik und die Fundamentaltheologie behandeln außerdem gemeinsam mit der Philosophie die grundlegende Frage, wie und was der Mensch eigentlich wirklich erkennen kann.
- Sozialethik & Moraltheologie: Die beiden ethischen Fächer versuchen mit zwei unterschiedlichen Ansätzen Antworten auf die konkreten ethischen Herausforderungen der Gegenwart zu geben. Während die Sozialethik vor allem eine „Ethik der Gesellschaft“ (Politik, Wirtschaft, Krieg und Frieden, soziale Gerechtigkeit etc.) versucht, geht die Moraltheologie auf grundlegende Fragen ein, die den konkreten und oft auch einzelnen Menschen betreffen (Bioethik, Medizinethik, Fragen der Persönlichkeit und des Gewissens, ethische Fragen zur modernen (Massen)Kommunikation etc.). Die Sozialethik ist dabei stark gesellschaftsbezogen und dadurch auch auf Ergebnisse der Sozial- und Gesellschaftswissenschaften angewiesen, die Moraltheologie hingegen ist verstärkt auf die Forschungen der Natur- und Humanwissenschaften angewiesen, um vernünftig vertretbare Antworten auf aktuelle ethische Herausforderungen geben zu können.
- Pastoraltheologie & Religionspädagogik: Die Pastoraltheologie beschäftigt sich mit der konkreten Umsetzung theologischer Erkenntnisse, etwa in der Jugend- oder Gemeindearbeit oder in einem konkreten Seelsorgebereich. Dabei sucht sie stets nach neuen Konzepten und Formen zur Gestaltung dieser pastoralen Arbeit. Außerdem geht es der Pastoraltheologie darum, die Strukturen der Kirche kritisch zu analysieren und für die Zukunft neu und verstärkt zu positionieren.
Die Religionspädagogik analysiert als zweites Teilfach der Praktischen Theologie die Vermittlung von Religion und Theologie im Religionsunterricht und in außerschulischen Bildungseinrichtungen. Neben der konkreten Ausbildung von ReligionslehrerInnen in didaktisch orientierten Lehrveranstaltungen ist es v.a. eine Aufgabe der Religionspädagogik, neue Unterrichtsmethoden und -konzepte zu entwerfen, die den sich stets verändernden Bildungsstandards und der Realität der Schule gerecht werden können.
- Kanonisches Recht: Das Kanonische Recht beschäftigt sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen des kirchlichen Lebens. Dazu gehört v.a. der Bereich des Eherechts und anderer kirchlicher Bestimmungen, die eine breitere Allgemeinheit betreffen. Thematisiert wird hier ein kritischer Umgang mit Normen und Richtlinien, die auf die Praxis angewandt und mit ihr veträglich sein müssen.
- Liturgiewissenschaft: Die Liturgiewissenschaft beschräftigt sich mit den Riten und Ausdrucksformen der christlichen Kirchen. Hier werden die große Vielfalt an Texten, Bräuchen und Ritualen herausgestrichen und ihre Entwicklung kritisch untersucht. Außerdem geht es der Liturgiewissenschaft darum, überlieferte Riten und Formen immer neu in der Gegenwart zu verankern und neue Formen von Gottesdiensten zu entwerfen.
- Kirchengeschichte: Die Kirchengeschichte beschäftigt sich mit dem historischen Wachsen der christlichen Kirchen und den unterschiedlichen Strukturen, die während dieser Zeit gewachsen und vergangen sind. Mit den historischen Wissenschaften teilt sie die Methodik der exakten Quellenanalyse, um einen vertieften und kritischen Einblick in die Geistes- und Mentalitätsgeschichte der letzten zwei Jahrtausende gewinnen zu können. Dabei zeigt die Kirchengeschichte im historischen Blick positive und negative Entwicklungen auf, die auf die Gegenwart bezogen analysiert und fruchtbar gemacht werden.
- Theologie der Spiritualität: Die Theologie der Spiritualität ist ein besonderes Fach, das eigenständig nur an der Universität Wien existiert. Sie beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Haltungen und Ausdrucksformen des (persönlichen) Glaubens und untersucht Entwicklungen, Ideen und Konzepte sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Zur Sprache kommen etwa die unterschiedlichen Zugänge der Ordensgemeinschaften, aber auch jene der persönlichen und gemeinschaftlichen Spiritualität von der Antike bis zur Moderne.
- Ostkirchenkunde: Ebenfalls ein besonderes Fach stellt die Ostkirchenkund dar - sie beschäftigt sich am ökumenisch wichtigen Standort Wien mit den Kirchen des Ostens, die sich seit der Antike mit eigenständigen Riten, Ideen und Konzepten entwickelt haben. Dabei wird sowohl deren Geschichte, als auch ihre Theologie behandelt und für den ökumensichen Dialog mit den Ostkirchen fruchtbar gemacht.
- Religionswissenschaft: Die Religionswissenschaft beschäftigt sich vergleichend mit allen Religionen und versucht, Gemeinsamkeiten und Unterschiede festzustellen und zu benennen. Durch ihre starke Methodenvielfalt ist die Religionswissenschaft ein sehr breites Fach - sie Analysiert sowohl Riten und Bräuche, als auch theologische Gedanken, politische und gesellschaftliche Strukturen und die Geschichte der nichtchristlichen Religionen. Im Rahmen des Masterstudiums Religionswissenschaft gibt es außerdem die Möglichkeit, dieses Fach als eigenes Studium zu belegen.
Alle diese Disziplinen sind eigenständig und gleichwertig, auch wenn sie im Studium in unterschiedlicher Gewichtung vorkommen. Außerdem besteht die Möglichkeit, über Wahlmodule spezifische Interessensschwerpunkte zu setzen.
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